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Die Körnung eines Schleifmittels bestimmt, wie aggressiv oder fein ein Schleifprozess abläuft. Doch hinter der einfachen Zahl auf einer Schleifscheibe steckt weit mehr: Kornarten, Streuung, Bindung und Trägermaterial beeinflussen das Ergebnis mindestens genauso stark wie die Körnungsgröße selbst. Dieser Ratgeber erklärt die technischen Grundlagen, damit du Schleifmittel präziser auswählen kannst.

Für Anwender, die verschiedene Körnungen testen oder komplette Schleifprozesse abbilden möchten, bieten wir praktische Schleifsets sowie Mix-Packs mit mehreren Körnungen an – ideal für Holz, Lack, Metall und Trockenbau.


Was bedeutet die Körnungszahl wirklich?

Die Körnungszahl (z. B. P80 oder P240) beschreibt die Größe der Schleifpartikel. Sie wird nach FEPA-Norm gemessen und gibt an, wie viele Partikel pro Zoll durch ein Sieb passen. Wichtig ist: Die Körnungszahl allein bestimmt nicht die Schleifleistung.

Zwei Schleifmittel mit gleicher Körnung können völlig unterschiedlich arbeiten – abhängig von:

  • Kornart
  • Streuung
  • Bindung
  • Trägermaterial
  • Produktionsqualität

Eine Übersicht zu Schleifmitteln findest du auch in unserem Vergleich Schleifpapier vs. Schleifgitter.


FEPA, JIS und ANSI – unterschiedliche Normen

Weltweit existieren verschiedene Normsysteme für Körnungen:

  • FEPA (Europa) – P-Körnungen wie P80, P120, P240
  • JIS (Japan) – besonders feine Körnungen für Lack und Politur
  • ANSI (USA) – häufig bei Schleifbändern

Wichtig: P240 (FEPA) entspricht nicht JIS 240. Das ist ein häufiger Irrtum.


Kornarten – warum nicht jedes Schleifkorn gleich arbeitet

Die Kornart beeinflusst Aggressivität, Standzeit, Hitzeentwicklung und Materialeignung.

Kornart Eigenschaften Typische Produkte
Korund (Aluminiumoxid) universell, robust, ideal für Holz & Metall Mirka Abranet 150 mm Mix
Zirkonkorund hohe Abtragsleistung, selbstschärfend, ideal für Metall Abranet Ace HD
Keramikkorn extrem langlebig, aggressiv, ideal für harte Materialien Abranet Ace
Siliziumkarbid sehr scharf, ideal für Lack, Spachtel, Stein Netzschleifscheiben

Offene vs. geschlossene Streuung

Die Streuung beschreibt, wie dicht die Körner auf dem Träger sitzen.

  • Geschlossene Streuung: viele Körner, aggressiv, setzt schneller zu
  • Offene Streuung: weniger Körner, ideal für Lack & Spachtel

Netzschleifscheiben haben technisch gesehen eine extrem offene Streuung, da die gesamte Fläche luftdurchlässig ist. Mehr dazu findest du unter Netzschleifscheiben erklärt.


Bindung & Trägermaterial

Die Bindung hält die Körner auf dem Träger. Moderne Schleifmittel nutzen fast ausschließlich hitzebeständige Kunstharzbindungen.

  • Papierträger: A–F, je höher der Buchstabe, desto stabiler
  • Gewebeträger: flexibel, reißfest
  • Netzträger: maximale Staubabsaugung

Netzträger wie Airnet Mix Packs sind ideal für staubarmes Arbeiten.


Warum gleiche Körnung ≠ gleiches Schleifbild ist

Viele Anwender wundern sich, warum zwei P240-Scheiben unterschiedlich schleifen. Gründe dafür sind:

  • unterschiedliche Kornarten
  • unterschiedliche Streuung
  • unterschiedliche Bindung
  • unterschiedliche Träger
  • Produktionsqualität

Mehr zu Schleifverhalten findest du auch in unserem Ratgeber Schleifscheiben für Exzenterschleifer.


Wie man Körnungen sinnvoll kombiniert

Ein sauberer Schleifprozess nutzt mehrere Körnungen nacheinander. Die wichtigsten Regeln:

  • Körnung nicht zu stark springen (z. B. P80 → P240 vermeiden)
  • in kleinen Schritten feiner werden
  • Zwischenschliff nicht überspringen
  • Vorschliff entscheidet über das Endergebnis

Für komplette Schleifprozesse eignen sich besonders:

    Für Handarbeiten und Kanten empfehlen wir zusätzlich unsere Handschleif-Sets.


    Körnung bei Netzschleifscheiben

    Netzschleifscheiben haben ein besonders gleichmäßiges Kornbild und setzen kaum zu. Dadurch fühlt sich eine P180-Netzscheibe oft feiner und kontrollierter an als eine P180-Papierscheibe.

    Mehr dazu findest du im Ratgeber Schleifscheiben für Trockenbau.


    FAQ – Häufige Fragen zur Körnung

    Weil Kornart, Streuung und Bindung variieren.

    Für Grobschliff P40–P80, für Feinschliff P150–P240, für Lack P320+.

    Weil Papier keine offene Struktur hat und Staub nicht entweichen kann.

    P320–P600 für Zwischenschliff, P800+ für Finish.


    Weitere Wissensartikel


    Fazit

    Die Körnung ist nur ein Teil des Schleifmittels – Kornart, Streuung, Bindung und Träger sind ebenso entscheidend. Wer diese Faktoren versteht, kann Schleifmittel präziser auswählen und erzielt bessere Ergebnisse bei Holz, Lack, Metall und Trockenbau.